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Berufswechsel5. Februar 2026

Umschulung: Förderung, Ablauf und Berufe

Eine Umschulung eröffnet neue berufliche Perspektiven. Erfahre alles über Voraussetzungen, Förderungsmöglichkeiten, Ablauf und die besten Berufe für eine Umschulung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Umschulung dauert etwa zwei Jahre und schließt mit einer IHK- oder HWK-Prüfung ab
  • Der Bildungsgutschein der Arbeitsagentur deckt alle Kosten der Umschulung ab
  • IT, Gesundheitswesen und kaufmännische Berufe bieten die besten Umschulungsperspektiven
  • Betriebliche Umschulungen bieten die besten Übernahmechancen
  • Der Abschluss ist gleichwertig zu einer regulären Ausbildung
  • Lass dich vor der Entscheidung ausführlich von der Arbeitsagentur beraten

Was ist eine Umschulung?

Eine Umschulung ist eine berufliche Weiterbildung, die dich für einen neuen, anerkannten Ausbildungsberuf qualifiziert. Anders als eine klassische Ausbildung richtet sich die Umschulung an Erwachsene, die bereits einen Beruf erlernt oder langjährige Berufserfahrung haben und aus verschiedenen Gründen den Beruf wechseln möchten oder müssen. Die Umschulung dauert in der Regel zwei Jahre – ein Drittel kürzer als die reguläre Ausbildung – und schließt mit derselben Prüfung vor der zuständigen Kammer (IHK oder HWK) ab.

Die häufigsten Gründe für eine Umschulung sind: gesundheitliche Einschränkungen, die den bisherigen Beruf unmöglich machen, Wegfall des bisherigen Berufsfelds durch Digitalisierung oder Strukturwandel, Arbeitslosigkeit ohne Perspektive im erlernten Beruf oder der Wunsch nach beruflicher Veränderung und besseren Zukunftsaussichten.

Voraussetzungen für eine Umschulung

Grundsätzlich gibt es keine festen Altersgrenze oder formale Zugangsvoraussetzungen für eine Umschulung. In der Praxis ist eine abgeschlossene Erstausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Entscheidend sind Motivation, Eignung und die Bereitschaft, zwei Jahre intensiv zu lernen.

Wenn du eine geförderte Umschulung über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter anstrebst, musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Du bist arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht, eine Weiterbildung im bisherigen Beruf reicht nicht aus, die Umschulung verbessert deine Eingliederungschancen erheblich und es gibt keinen einfacheren Weg zurück in den Arbeitsmarkt. Die Entscheidung trifft dein Arbeitsvermittler nach einem ausführlichen Beratungsgespräch.

Förderungsmöglichkeiten

Die wichtigste Förderung ist der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters. Er deckt die gesamten Kosten der Umschulung ab – Lehrgangskosten, Fahrtkosten, Kinderbetreuungskosten und gegebenenfalls auswärtige Unterbringung. Während der Umschulung erhältst du weiterhin Arbeitslosengeld (ALG I oder ALG II).

Weitere Fördermöglichkeiten sind: die Berufsgenossenschaft bei gesundheitsbedingter Umschulung (Arbeitsunfall oder Berufskrankheit), die Deutsche Rentenversicherung bei Erwerbsminderung, das Berufsförderungswerk für Rehabilitanden, WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) für Beschäftigte und die Aufstiegsfortbildungsförderung (Aufstiegs-BAföG) für bestimmte Weiterbildungen.

Formen der Umschulung

Es gibt drei Hauptformen der Umschulung: Die betriebliche Umschulung findet wie eine reguläre Ausbildung überwiegend im Betrieb statt, ergänzt durch Berufsschulunterricht. Du erhältst eine Ausbildungsvergütung und hast gute Übernahmechancen. Die schulische Umschulung wird von Bildungsträgern durchgeführt und findet in Vollzeit statt. Sie umfasst theoretischen Unterricht und Praktikumsphasen. Die überbetriebliche Umschulung kombiniert Unterricht beim Bildungsträger mit Praktikumsphasen in verschiedenen Betrieben.

Die betriebliche Umschulung ist oft die beste Wahl, da du von Anfang an Praxiserfahrung sammelst und einen potenziellen Arbeitgeber kennenlernst. Allerdings sind betriebliche Umschulungsplätze schwerer zu finden. Schulische Umschulungen sind leichter zugänglich und werden häufiger über den Bildungsgutschein gefördert.

Beliebte Umschulungsberufe

Besonders gefragt sind Umschulungen in Berufsfeldern mit guten Zukunftsaussichten und Fachkräftemangel. In der IT-Branche: Fachinformatiker (Anwendungsentwicklung oder Systemintegration), IT-Systemkaufmann/-frau und Mediengestalter Digital. Im Gesundheitswesen: Pflege, medizinische Fachangestellte und Physiotherapie. Im kaufmännischen Bereich: Kaufmann/-frau für Büromanagement, Steuerfachangestellte und Immobilienkaufmann/-frau.

Weitere gefragte Umschulungsberufe sind: Erzieher/in, Altenpfleger/in, Mechatroniker/in, Elektroniker/in, Fachkraft für Lagerlogistik und Berufskraftfahrer/in. Bei der Wahl des Umschulungsberufs solltest du neben deinen Interessen auch die Arbeitsmarktchancen, das Gehaltniveau und die langfristigen Perspektiven berücksichtigen.

Ablauf einer Umschulung

Eine typische Umschulung dauert 21 bis 24 Monate in Vollzeit. Der Ablauf umfasst zunächst eine Orientierungsphase, in der du den Bildungsträger und die anderen Teilnehmer kennenlernst. Dann folgt der theoretische Unterricht, oft in Kombination mit praktischen Übungen. Mindestens ein längeres Betriebspraktikum ist obligatorisch – hier sammelst du Praxiserfahrung und knüpfst Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern.

Gegen Ende der Umschulung bereitest du dich intensiv auf die Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer vor. Die Prüfung umfasst in der Regel einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Nach bestandener Prüfung erhältst du denselben Abschluss wie nach einer regulären Ausbildung – ohne Unterschied oder Vermerk, dass es sich um eine Umschulung handelt.

Tipps für eine erfolgreiche Umschulung

Wähle den Umschulungsberuf sorgfältig aus. Lass dich von der Arbeitsagentur beraten, nutze Berufsorientierungsangebote und absolviere gegebenenfalls ein Schnupperpraktikum. Informiere dich über verschiedene Bildungsträger und vergleiche deren Qualität, Ausstattung und Vermittlungsquoten. Zertifizierungen wie AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung) sind ein Qualitätsmerkmal.

Während der Umschulung: Nimm den Unterricht ernst, nutze alle Übungsangebote und pflege gute Beziehungen zu Dozenten und Praktikumsbetrieben. Baue bereits während der Umschulung ein berufliches Netzwerk im neuen Berufsfeld auf. Nach der Umschulung: Bewirb dich aktiv, nutze die Vermittlungsunterstützung des Bildungsträgers und bleibe offen für Einstiegsmöglichkeiten, die vielleicht nicht zu 100 Prozent deinen Wunschvorstellungen entsprechen.

Umschulung in Teilzeit: Die flexible Alternative

Seit einigen Jahren werden vermehrt Umschulungen in Teilzeit angeboten, die sich besonders für Eltern mit Betreuungspflichten oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen eignen. Eine Teilzeit-Umschulung dauert entsprechend länger – in der Regel drei statt zwei Jahre – ermöglicht aber die Vereinbarkeit von Familie und Weiterbildung. Auch der Bildungsgutschein kann für Teilzeit-Umschulungen eingesetzt werden.

Die tägliche Lernzeit beträgt bei einer Teilzeit-Umschulung in der Regel vier bis sechs Stunden statt acht Stunden bei Vollzeit. Die Inhalte und der Abschluss sind identisch zur Vollzeit-Variante. Wenn du eine Teilzeit-Umschulung anstrebst, erkundige dich frühzeitig bei der Arbeitsagentur und bei verschiedenen Bildungsträgern nach den Möglichkeiten in deiner Region. Die Nachfrage nach Teilzeit-Umschulungen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, und das Angebot wird kontinuierlich ausgebaut, um den unterschiedlichen Lebenssituationen der Teilnehmenden gerecht zu werden.

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Häufige Fragen

Wer bezahlt eine Umschulung?
In den meisten Fällen finanziert die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Umschulung über einen Bildungsgutschein. Auch Berufsgenossenschaften und die Rentenversicherung können Kostenträger sein. Bei einer betrieblichen Umschulung erhältst du eine Ausbildungsvergütung vom Betrieb.
Gibt es eine Altersgrenze für Umschulungen?
Nein, es gibt keine gesetzliche Altersgrenze. Die Arbeitsagentur prüft jedoch die Verhältnismäßigkeit: Die Investition muss sich noch lohnen, das heißt, du solltest noch ausreichend Berufsjahre vor dir haben. In der Praxis werden Umschulungen bis etwa Mitte 50 problemlos gefördert.
Wie finde ich den richtigen Umschulungsberuf?
Lass dich bei der Arbeitsagentur beraten und nutze das Berufsinformationszentrum (BIZ). Mache Eignungstests, absolviere Schnupperpraktika und informiere dich über Arbeitsmarktchancen in deiner Region. Der Beruf sollte zu deinen Stärken und Interessen passen und gute Zukunftsperspektiven bieten.
Kann ich während der Umschulung nebenbei arbeiten?
Bei einer Vollzeit-Umschulung ist Nebenbeschäftigung möglich, aber begrenzt. Empfänger von ALG I dürfen bis zu 165 Euro im Monat hinzuverdienen. Beachte, dass die Umschulung zeitintensiv ist und dein Lernerfolg Priorität haben sollte.

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Stand: Februar 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr