Die finanzielle Hürde beim Berufswechsel
Ein Berufswechsel ist oft mit Weiterbildungen, Umschulungen oder sogar einem Studium verbunden. Gleichzeitig fehlt während der Qualifizierungsphase häufig das reguläre Einkommen. Die gute Nachricht: In Deutschland gibt es zahlreiche Förderprogramme, die Ihren Berufswechsel finanziell unterstützen. Viele davon werden kaum genutzt, obwohl sie tausende Euro wert sind.
Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit
Was ist der Bildungsgutschein?
Der Bildungsgutschein ist das wichtigste Förderinstrument für berufliche Weiterbildung und Umschulungen. Er deckt die kompletten Kosten einer zertifizierten Weiterbildung ab – inklusive Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren, Fahrkosten, Kinderbetreuung und teilweise sogar Unterkunft.
Wer bekommt einen Bildungsgutschein?
Anspruch haben Sie, wenn:
- Sie arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind
- Sie keine Berufsausbildung haben oder Ihre Qualifikation nicht mehr dem Arbeitsmarkt entspricht
- Die Weiterbildung notwendig ist, um Sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren
Auch Beschäftigte können seit dem Qualifizierungschancengesetz (2019) einen Bildungsgutschein erhalten, wenn ihre Tätigkeit durch Digitalisierung oder Strukturwandel bedroht ist.
Was wird gefördert?
- Lehrgangskosten (vollständig)
- Arbeitslosengeld oder Unterhaltsbeihilfe während der Maßnahme
- Fahrtkosten zur Bildungsstätte
- Kinderbetreuungskosten (bis zu einem bestimmten Betrag)
- Prüfungsgebühren
So beantragen Sie den Bildungsgutschein
Der Weg zum Bildungsgutschein führt über ein Beratungsgespräch bei Ihrer Agentur für Arbeit oder Ihrem Jobcenter:
- Termin vereinbaren und Berufswunsch erklären
- Beratungsgespräch führen – bringen Sie bereits konkrete Weiterbildungsangebote mit
- Der Berater prüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind
- Bei Bewilligung erhalten Sie den Gutschein, den Sie bei einem zertifizierten Bildungsträger einlösen
Tipp: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf den Bildungsgutschein – er liegt im Ermessen des Beraters. Bereiten Sie sich daher gut vor und argumentieren Sie, warum die Weiterbildung Ihre Jobchancen verbessert.
Aufstiegs-BAföG (früher Meister-BAföG)
Überblick
Das Aufstiegs-BAföG fördert Fortbildungen, die auf einen höheren beruflichen Abschluss vorbereiten – etwa Meister, Techniker, Fachwirt oder Betriebswirt. Es ist alters- und einkommensunabhängig.
Leistungen
- Lehrgangskosten: Zuschuss von 50 % (bis 15.000 EUR), der Rest als zinsgünstiges KfW-Darlehen
- Prüfungsgebühren: Zur Hälfte als Zuschuss
- Lebensunterhalt: Bei Vollzeit-Maßnahmen bis zu 963 EUR monatlich (Zuschuss + Darlehen)
- Kinderbetreuungszuschlag: 160 EUR pro Kind und Monat
- Bestehensbonus: Bei bestandener Prüfung werden 50 % des Restdarlehens für die Lehrgangskosten erlassen
Antragstellung
Der Antrag wird beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung gestellt. Die Formulare gibt es online unter aufstiegs-bafoeg.de. Stellen Sie den Antrag rechtzeitig vor Beginn der Maßnahme.
Bildungsprämie und Bildungsscheck
Bildungsprämie des Bundes
Die Bildungsprämie fördert individuelle Weiterbildungen für Erwerbstätige mit geringem Einkommen. Der Bund übernimmt 50 % der Kurskosten, maximal 500 EUR. Voraussetzung: Das zu versteuernde Einkommen liegt unter 20.000 EUR (40.000 EUR bei Verheirateten).
Bildungsscheck der Bundesländer
Viele Bundesländer bieten eigene Förderprogramme:
- NRW: Bildungsscheck – 50 % der Kosten, max. 500 EUR
- Brandenburg: Bildungsscheck – bis zu 3.000 EUR
- Sachsen: Weiterbildungsscheck – bis zu 80 % der Kosten
- Hessen: Qualifizierungsscheck – 50 % der Kosten, max. 500 EUR
- Thüringen: Weiterbildungsscheck – bis zu 1.000 EUR
Die Programme ändern sich regelmäßig – informieren Sie sich bei der zuständigen Landesbehörde oder Ihrer IHK.
Steuerliche Förderung
Kosten für einen Berufswechsel können Sie steuerlich geltend machen:
- Werbungskosten: Kosten für Weiterbildungen, die im Zusammenhang mit Ihrer aktuellen oder angestrebten Berufstätigkeit stehen, sind als Werbungskosten absetzbar – ohne Obergrenze.
- Absetzbar sind: Kursgeühüren, Fachbücher, Fahrtkosten, Arbeitsmittel (Laptop, Software), Prüfungsgebühren, Übernachtungskosten
- Verlustvortrag: Wenn Sie während der Umschulung kein Einkommen haben, können Sie die Kosten als Verlustvortrag in zukünftige Jahre übertragen und dann verrechnen.
Weitere Fördermöglichkeiten
Weiterbildungsstipendium
Das Weiterbildungsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) fördert besonders talentierte Absolventen einer Berufsausbildung mit bis zu 8.700 EUR über drei Jahre. Voraussetzung: Abschlussprüfung mit mindestens 87 Punkten oder besonderer Nachweis.
Stipendien und Stiftungen
Zahlreiche Stiftungen vergeben Stipendien für berufliche Weiterbildung, darunter die Hans-Böckler-Stiftung (gewerkschaftsnah), die Friedrich-Ebert-Stiftung und branchenspezifische Stiftungen.
Arbeitgeber-Finanzierung
Manche Arbeitgeber unterstützen den Berufswechsel innerhalb des Unternehmens durch interne Qualifizierungen, Bildungsurlaub oder finanzielle Zuschüsse. Fragen lohnt sich.
Bildungskredit
Der Bildungskredit der KfW bietet zinsgünstige Darlehen für Weiterbildungen – bis zu 7.200 EUR, unabhängig vom Einkommen. Die Rückzahlung beginnt erst 4 Jahre nach der ersten Auszahlung.
Finanzierungsplan erstellen
Bevor Sie Ihren Berufswechsel starten, sollten Sie einen detaillierten Finanzierungsplan erstellen:
- Kosten auflisten: Kursgeühren, Materialien, Fahrtkosten, Prüfungsgebühren
- Einnahmen planen: Förderungen, Ersparnisse, ggf. Teilzeitjob
- Lebenshaltungskosten berechnen: Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Mobilität
- Puffer einplanen: Mindestens 20 % Sicherheitszuschlag
- Zeitraum bestimmen: Wie lange dauert die Qualifizierung? Ab wann verdienen Sie wieder?