Was ist Mobbing am Arbeitsplatz?
Mobbing am Arbeitsplatz bezeichnet systematische, wiederholte Schikanen, Diskriminierungen oder Ausgrenzungen durch Vorgesetzte oder Kollegen über einen längeren Zeitraum. Entscheidend ist: Einmalige Konflikte oder gelegentliche Meinungsverschiedenheiten sind kein Mobbing. Von Mobbing spricht man erst, wenn die Handlungen über mindestens sechs Monate regelmäßig auftreten und das Ziel haben, die betroffene Person zu schädigen oder aus dem Arbeitsverhältnis zu drängen.
Laut Studien sind in Deutschland rund eine Million Beschäftigte von Mobbing betroffen. Die Dunkelziffer ist deutlich höher, da viele Betroffene aus Scham oder Angst schweigen. Mobbing hat schwerwiegende Folgen – nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für Unternehmen: Krankheitskosten, Fluktuation und Produktivitätsverluste summieren sich auf geschätzte 15 bis 25 Milliarden Euro jährlich allein in Deutschland.
Typische Formen von Mobbing erkennen
Kommunikationsbezogenes Mobbing: Ständiges Unterbrechen, Anschreien, Ignorieren von Beiträgen, Gerüchte verbreiten, hinter dem Rücken lästern oder bewusstes Vorenthalten von Informationen. Dazu gehört auch, dass E-Mails absichtlich nicht beantwortet oder der Betroffene aus Verteilern entfernt wird.
Soziale Ausgrenzung: Nicht zu Meetings einladen, beim Mittagessen ignorieren, von Teamaktivitäten ausschließen oder das Büro wechseln lassen, um die Person zu isolieren. Auch das demonstrative Verstummen, wenn der Betroffene den Raum betritt, ist eine häufige Form der sozialen Ausgrenzung.
Arbeitsbezogenes Mobbing: Sinnlose oder degradierende Aufgaben zuweisen, Arbeitsergebnisse sabotieren, unrealistische Deadlines setzen, Arbeit wegnehmen oder ständig grundlose Kritik üben. Auch das systematische Vorenthalten von Ressourcen, Informationen oder Werkzeugen, die für die Arbeit notwendig sind, fällt in diese Kategorie.
Persönliche Angriffe: Beleidigungen, Spott über Aussehen, Herkunft oder Privatleben, sexuelle Belästigung oder das Verbreiten von Lügen über die persönliche Integrität. In der digitalen Arbeitswelt erstreckt sich dies auch auf Cybermobbing über Messenger, E-Mail oder Social Media.
Bossing: Eine Sonderform des Mobbings, bei der die Schikane von Vorgesetzten ausgeht. Bossing ist besonders belastend, weil die betroffene Person in einer Abhängigkeitsposition ist und sich schlechter wehren kann. Typische Bossing-Methoden sind: unrealistische Zielvorgaben, öffentliche Demütigungen, willkürliche Arbeitsanweisungen oder das Blockieren von Beförderungen.
Die Folgen von Mobbing
Mobbing hat gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit: Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen, Burnout, psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Magenprobleme und Herzrasen. In schweren Fällen kann Mobbing zu Suizidgedanken führen. Auch beruflich hinterlässt Mobbing Spuren: sinkende Leistungsfähigkeit, Angst vor der Arbeit, häufige Krankschreibungen und langfristig oft der Verlust des Arbeitsplatzes.
Betroffene sollten sich klarmachen: Mobbing ist nicht ihre Schuld. Es sagt nichts über ihren Wert als Mensch oder ihre berufliche Kompetenz aus, sondern über die Schwäche und Unprofessionalität der Täter. Studien zeigen, dass Mobbingopfer oft besonders kompetente und engagierte Mitarbeiter sind, die von unsicheren Kollegen oder Vorgesetzten als Bedrohung wahrgenommen werden.
Was du konkret tun kannst
Schritt 1: Dokumentieren. Führe ein Mobbing-Tagebuch mit Datum, Uhrzeit, Ort, beteiligten Personen und einer genauen Beschreibung der Vorfälle. Sichere E-Mails, Nachrichten und andere Beweise. Diese Dokumentation ist entscheidend, falls es zu einem Rechtsstreit kommt. Notiere auch, welche Zeugen bei den Vorfällen anwesend waren und wie du dich danach gefühlt hast.
Schritt 2: Verbündete suchen. Sprich mit vertrauenswürdigen Kollegen, dem Betriebsrat oder der Gleichstellungsbeauftragten. Du bist nicht allein, und Zeugen können deine Darstellung bestätigen. Oft stellt sich heraus, dass andere Kollegen ähnliche Erfahrungen mit dem Mobber gemacht haben.
Schritt 3: Das Gespräch suchen. Wenn möglich, konfrontiere den Mobber direkt und sachlich. Manchmal ist sich der Täter der Auswirkungen seines Verhaltens nicht bewusst. Formuliere klar, welches Verhalten du als problematisch empfindest und was du dir stattdessen wünschst. Bringe wenn möglich eine Vertrauensperson als Zeugen mit.
Schritt 4: Vorgesetzte und HR einschalten. Wenn das direkte Gespräch nichts bringt, wende dich an deinen Vorgesetzten oder die Personalabteilung. Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht und sind verpflichtet, Mobbing zu unterbinden. Lege deine Dokumentation vor und formuliere konkrete Erwartungen, welche Maßnahmen du dir wünschst.
Schritt 5: Externe Hilfe holen. Wenn das Unternehmen nicht reagiert, gibt es externe Anlaufstellen: Mobbingberatungsstellen, Gewerkschaften, Arbeitsrechtsanwälte und die Telefonseelsorge (0800 111 0 111) bei akuter Belastung. Auch Psychotherapeuten mit Erfahrung im Bereich Arbeitsplatzkonflikte können helfen, die Situation zu verarbeiten und Handlungsstrategien zu entwickeln.
Rechtliche Möglichkeiten bei Mobbing
In Deutschland gibt es kein spezielles Anti-Mobbing-Gesetz. Betroffene können sich aber auf verschiedene Rechtsgrundlagen berufen: das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bei Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung, den Grundsatz der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers nach Paragraph 618 BGB, Schadensersatzansprüche nach den Paragraphen 823 und 826 BGB und strafrechtliche Tatbestände wie Beleidigung, Nötigung oder Körperverletzung.
Ein Arbeitsrechtsanwalt kann die individuelle Situation einschätzen und die beste Strategie empfehlen. In manchen Fällen ist eine Mediation sinnvoll, in anderen eine Abmahnung des Täters oder sogar eine Klage auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Die Kosten für den Anwalt übernimmt bei Vorliegen einer Rechtsschutzversicherung diese – Arbeitsrechtsschutz ist daher für jeden Arbeitnehmer empfehlenswert.
Prävention: Was Unternehmen tun sollten
Gute Arbeitgeber schaffen ein Umfeld, in dem Mobbing keinen Nährboden findet: klare Verhaltensregeln und ein Verhaltenskodex, Schulungen für Führungskräfte zum Thema Konfliktmanagement, vertrauliche Beschwerdestellen, regelmäßige Mitarbeiterbefragungen und schnelle Konsequenzen bei Verstößen. Auch eine offene Feedbackkultur und flache Hierarchien tragen dazu bei, Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen. Wenn du auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber bist, achte auf solche Strukturen – sie sind ein gutes Zeichen für eine gesunde Unternehmenskultur.