Was ist Mentoring?
Mentoring ist eine berufliche Beziehung, in der eine erfahrene Person (Mentor) eine weniger erfahrene Person (Mentee) bei der beruflichen und persönlichen Entwicklung unterstützt. Anders als Coaching, das oft auf konkrete Probleme fokussiert ist, ist Mentoring eine langfristige, vertrauensvolle Beziehung, die auf Wissenstransfer, Orientierung und Netzwerkaufbau ausgerichtet ist.
Studien zeigen: Mitarbeiter mit einem Mentor werden häufiger befördert, verdienen mehr und sind zufriedener in ihrem Beruf. Laut einer Studie von Gartner werden 25 % der Mentees innerhalb von 5 Jahren befördert – gegenüber nur 5 % der Mitarbeiter ohne Mentor.
Formen des Mentorings
1. Formelles Mentoring
Strukturierte Programme mit klaren Regeln, Zielen und Zeitrahmen – oft von Unternehmen, Verbänden oder Hochschulen organisiert:
- Matching durch das Programm
- Regelmäßige Treffen (z. B. monatlich)
- Begleitende Workshops und Events
- Evaluation und Feedback
- Typische Dauer: 6–12 Monate
2. Informelles Mentoring
Entsteht organisch durch persönliche Beziehungen – ohne formale Struktur:
- Ein erfahrener Kollege, der Sie unter seine Fittiche nimmt
- Eine ehemalige Professorin, die Sie beruflich begleitet
- Ein Branchenkontakt, der Ihnen Türen öffnet
3. Reverse Mentoring
Beim Reverse Mentoring lernt die ältere, erfahrenere Person von der jüngeren – z. B. zu digitalen Themen, Social Media oder neuen Arbeitsmethoden. Immer mehr Unternehmen setzen auf dieses Format.
4. Peer Mentoring
Gleichgestellte Kollegen unterstützen sich gegenseitig – besonders beliebt bei Berufseinsteigern oder Quereinsteigern.
Vorteile von Mentoring
Für Mentees
- Karriereorientierung: Ein Mentor hilft Ihnen, berufliche Ziele zu definieren und den richtigen Weg dorthin zu finden.
- Netzwerk: Zugang zum Netzwerk des Mentors – oft Türöffner für neue Möglichkeiten.
- Wissenstransfer: Von der Erfahrung anderer profitieren, ohne selbst alle Fehler machen zu müssen.
- Feedback: Ehrliches, konstruktives Feedback von jemandem, der keinen direkten Vorgesetzten-Konflikt hat.
- Selbstbewusstsein: Die Bestätigung durch einen erfahrenen Mentor stärkt das Selbstvertrauen.
Für Mentoren
- Reflexion der eigenen Karriere
- Führungskompetenz entwickeln
- Frische Perspektiven und Impulse
- Sinnstiftung und Weitergabe von Wissen
So finden Sie den richtigen Mentor
Schritt 1: Ziele definieren
Bevor Sie einen Mentor suchen, klären Sie für sich:
- Was möchte ich durch Mentoring erreichen?
- In welchem Bereich brauche ich Unterstützung? (Karriereplanung, Branchenwissen, Führung, Netzwerk)
- Welche Eigenschaften sollte mein Mentor mitbringen?
Schritt 2: Mentoring-Programme recherchieren
Es gibt zahlreiche formelle Mentoring-Programme in Deutschland:
- Unternehmensinterne Programme: Viele Großunternehmen bieten eigene Mentoring-Programme an. Fragen Sie in der Personalabteilung.
- IHK und Handwerkskammern: Mentoring für Existenzgründer und Nachwuchskräfte.
- MentorMe: Deutschlands größtes branchenoffenes Mentoring-Programm für Frauen.
- Cross-Mentoring-Programme: Unternehmensübergreifendes Mentoring, z. B. Cross-Consult.
- Hochschul-Alumni-Netzwerke: Viele Universitäten bieten Mentoring für Absolventen an.
- Branchenverbände: VDI, VDMA, BDA und andere Verbände organisieren Mentoring.
Schritt 3: Den richtigen Mentor wählen
Ein guter Mentor sollte:
- Erfahrung in dem Bereich haben, in dem Sie sich entwickeln möchten
- Bereit sein, Zeit und Wissen zu investieren
- Ehrliches Feedback geben können
- Ein gutes Netzwerk in Ihrer Zielbranche haben
- Respektvoll und vertrauenswürdig sein
- Nicht Ihr direkter Vorgesetzter sein (Interessenkonflikte vermeiden)
Schritt 4: Den Kontakt herstellen
Wenn Sie einen potenziellen Mentor identifiziert haben:
- Sprechen Sie die Person direkt an – persönlich, per E-Mail oder über LinkedIn
- Erklären Sie kurz, warum Sie gerade diese Person als Mentor wünschen
- Seien Sie konkret: Was erhoffen Sie sich? Wie viel Zeit würde es beanspruchen?
- Zeigen Sie Wertschätzung für die Erfahrung der Person
Die Mentoring-Beziehung gestalten
- Regelmäßige Treffen: Mindestens einmal im Monat, ob persönlich, per Video oder Telefon.
- Themen vorbereiten: Kommen Sie mit konkreten Fragen und Themen ins Gespräch.
- Offenheit: Teilen Sie auch Schwierigkeiten und Fehler – nur so kann der Mentor wirklich helfen.
- Feedback annehmen: Nehmen Sie Kritik als Chance zur Entwicklung an.
- Dankbarkeit zeigen: Wertschätzen Sie die Zeit und das Engagement Ihres Mentors.
- Grenzen respektieren: Mentoring ist kein Coaching-Abo – beachten Sie die Zeit des Mentors.
Wenn es nicht passt
Nicht jede Mentoring-Beziehung funktioniert. Anzeichen, dass ein Wechsel sinnvoll sein könnte:
- Der Mentor hat keine Zeit oder sagt häufig Treffen ab
- Die Chemie stimmt nicht
- Der Mentor gibt keine konstruktiven Ratschläge
- Sie haben das Gefühl, nichts zu lernen
In formellen Programmen können Sie die Programmleitung um ein neues Matching bitten. Bei informellem Mentoring ist es in Ordnung, die Beziehung respektvoll auslaufen zu lassen.