Zum Hauptinhalt springen
Karriere9. März 2026

4-Tage-Woche – Modelle, Erfahrungen & Arbeitgeber

4-Tage-Woche in Deutschland: Modelle, Erfahrungen aus Pilotprojekten, Vor- und Nachteile. Welche Arbeitgeber bieten die Viertagewoche an?

Das Wichtigste in Kürze

  • Das 100-80-100-Modell: volles Gehalt bei 4 Arbeitstagen
  • Pilotprojekte zeigen: Produktivität bleibt stabil, Zufriedenheit steigt
  • Krankheitstage und Fluktuation sinken deutlich
  • Teilzeitrecht (§ 8 TzBfG) ermöglicht die 4-Tage-Woche auch ohne Arbeitgeber-Initiative
  • Besonders IT, Handwerk und Kreativbranche sind Vorreiter

Die 4-Tage-Woche – Trend oder Zukunft?

Die 4-Tage-Woche gehört zu den meistdiskutierten Arbeitsmarkttrends der letzten Jahre. Weltweit haben Pilotprojekte gezeigt, dass weniger Arbeitstage bei gleichem oder sogar gesteigertem Output möglich sind. In Deutschland gewinnt das Modell zunehmend an Bedeutung – getrieben durch den Fachkräftemangel und den Wunsch nach besserer Work-Life-Balance.

Doch was steckt hinter der 4-Tage-Woche? Welche Modelle gibt es? Und passt sie zu jedem Beruf?

Modelle der 4-Tage-Woche

Modell 1: 100-80-100 (Das progressive Modell)

Das ambitionierteste Modell: 100 % Gehalt, 80 % Arbeitszeit, 100 % Leistung. Mitarbeiter arbeiten nur 4 Tage (32 Stunden), erhalten aber das volle Gehalt. Die Idee: Durch höhere Produktivität, weniger Meetings und effizientere Prozesse wird in 4 Tagen genauso viel geschafft wie in 5.

Dieses Modell wurde in großangelegten Pilotprojekten in Großbritannien (61 Unternehmen, 2022) und Island (2.500 Arbeitnehmer, 2015–2019) erfolgreich getestet.

Modell 2: Komprimierte Arbeitszeit

Die Wochenarbeitszeit (z. B. 38–40 Stunden) wird auf 4 längere Tage verteilt. Statt 5 x 8 Stunden arbeiten Sie 4 x 10 Stunden. Das Gehalt bleibt gleich, die Gesamtarbeitszeit auch – nur die Verteilung ändert sich.

Vorteil: Kein Gehaltsverlust, keine Produktivitätsdebatte.
Nachteil: 10-Stunden-Tage sind belastend, besonders bei körperlicher Arbeit.

Modell 3: Teilzeit (80 %)

Die klassische Variante: Sie reduzieren Ihre Arbeitszeit auf 80 % (32 Stunden) und erhalten 80 % des Gehalts. Rechtlich haben Sie in Betrieben ab 15 Mitarbeitern einen Anspruch auf Teilzeit (§ 8 TzBfG).

Vorteil: Einfach umsetzbar, gesetzlicher Anspruch.
Nachteil: Gehaltseinbuße von 20 %.

Modell 4: Flexible 4-Tage-Woche

Der freie Tag variiert je nach Arbeitsaufkommen – mal Montag, mal Freitag, mal Mittwoch. Dieses Modell eignet sich für Branchen mit schwankendem Arbeitsaufkommen.

Erfahrungen aus Pilotprojekten

Großbritannien (2022)

Das weltweit größte Pilotprojekt mit 61 Unternehmen und rund 2.900 Mitarbeitern zeigte beeindruckende Ergebnisse:

  • 92 % der Unternehmen wollten die 4-Tage-Woche nach dem Pilotprojekt beibehalten
  • Umsatz: Durchschnittlich um 1,4 % gestiegen
  • Krankheitstage: Um 65 % gesunken
  • Fluktuation: Um 57 % gesunken
  • Mitarbeiterzufriedenheit: Deutlich gestiegen

Deutschland (2024)

Die deutsche Pilotphase unter der Leitung der Universität Münster mit 45 Unternehmen zeigte ähnliche Trends:

  • Verbesserung der physischen und psychischen Gesundheit
  • Höhere Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation
  • Produktivität blieb stabil oder stieg leicht
  • Herausforderungen bei der Arbeitsorganisation und Kundenerwartungen

Vorteile der 4-Tage-Woche

  • Work-Life-Balance: Ein zusätzlicher freier Tag für Familie, Freizeit, Weiterbildung oder Gesundheit
  • Produktivität: Fokussierteres Arbeiten durch bewusstere Zeitnutzung
  • Gesundheit: Weniger Burnout, weniger Krankheitstage, besserer Schlaf
  • Umwelt: Weniger Pendelverkehr, geringerer Energieverbrauch
  • Arbeitgeberattraktivität: Starkes Argument im Employer Branding
  • Gleichberechtigung: Männer und Frauen profitieren gleichermaßen, Teilzeit wird normaler

Nachteile und Herausforderungen

  • Nicht für alle Branchen: In Pflege, Gastronomie, Produktion oder Notdiensten ist eine Umsetzung komplex
  • Arbeitsverdichtung: Wenn die gleiche Arbeit in weniger Zeit erledigt werden muss, kann der Stress steigen
  • Kundenerwartungen: Erreichbarkeit an 5 Tagen wird oft vorausgesetzt
  • Koordination: Teams müssen sich abstimmen, wenn nicht alle am gleichen Tag frei haben
  • Gehaltseinbuße: Beim Teilzeit-Modell verdienen Sie weniger

Welche Arbeitgeber bieten die 4-Tage-Woche an?

In Deutschland bieten immer mehr Unternehmen die 4-Tage-Woche an, darunter:

  • IT und Tech: Viele Startups und Tech-Unternehmen bieten flexible 4-Tage-Modelle an
  • Beratung: Einige Beratungsunternehmen testen das 100-80-100-Modell
  • Handwerk: Besonders im SHK- und Elektro-Handwerk wird die 4-Tage-Woche als Recruiting-Tool genutzt
  • Öffentlicher Dienst: Einzelne Kommunen experimentieren mit der Viertagewoche
  • Dienstleistung: Marketing-Agenturen und Kreativbranchen sind Vorreiter

Tipp: Suchen Sie auf Jobportalen gezielt nach „4-Tage-Woche“ als Filterkriterium.

Wie verhandeln Sie eine 4-Tage-Woche?

  • Im Bewerbungsgespräch: Fragen Sie, ob flexible Arbeitszeitmodelle möglich sind
  • Bei bestehendem Arbeitsverhältnis: Schlagen Sie eine Testphase von 3–6 Monaten vor
  • Teilzeitrecht nutzen: § 8 TzBfG gibt Ihnen einen Anspruch auf Teilzeit (ab 15 Mitarbeitern, nach 6 Monaten Betriebszugehörigkeit)
  • Brückenarbeit: § 9a TzBfG ermöglicht befristete Teilzeit mit Rückkehrrecht auf Vollzeit
  • Business Case: Präsentieren Sie Ihrem Arbeitgeber, wie die 4-Tage-Woche auch dem Unternehmen nützt (Mitarbeiterbindung, Produktivität, Employer Branding)
Weiterlesen

Häufige Fragen

Habe ich ein Recht auf eine 4-Tage-Woche?
Auf das 100-80-100-Modell (volles Gehalt bei 4 Tagen) gibt es keinen Rechtsanspruch. Sie haben aber nach § 8 TzBfG ein Recht auf Teilzeitarbeit in Betrieben ab 15 Mitarbeitern – damit können Sie Ihre Arbeitszeit auf 4 Tage reduzieren, allerdings mit entsprechend weniger Gehalt.
Verdiene ich bei der 4-Tage-Woche weniger?
Das hängt vom Modell ab. Beim 100-80-100-Modell behalten Sie Ihr volles Gehalt. Beim komprimierten Modell (gleiche Stunden auf 4 Tage) ebenfalls. Nur beim Teilzeit-Modell (80 %) reduziert sich das Gehalt um 20 %.
Funktioniert die 4-Tage-Woche in allen Berufen?
Nicht in allen. In Büroberufen, IT und kreativen Berufen lässt sie sich am leichtesten umsetzen. In Pflege, Produktion und Gastronomie ist sie komplexer, aber durch Schichtmodelle und Teamrotation ebenfalls möglich.

Verwandte Artikel

Bereit für deinen Traumjob?

Finde passende Jobs und bewirb dich direkt über Berufsgenie.

Stand: März 2026 · Alle Angaben ohne Gewähr