Der Wiedereinstieg nach der Elternzeit
Die Rückkehr in den Beruf nach der Elternzeit ist für viele Eltern eine Herausforderung – emotional, organisatorisch und fachlich. Gleichzeitig bietet der Wiedereinstieg die Chance, beruflich neue Wege zu gehen und die eigene Karriere bewusst zu gestalten.
Ob Sie zu Ihrem alten Arbeitgeber zurückkehren oder sich neu bewerben – dieser Ratgeber unterstützt Sie mit konkreten Tipps für jeden Schritt des Bewerbungsprozesses.
Rückkehr zum alten Arbeitgeber
Ihre Rechte
Nach der Elternzeit haben Sie das Recht auf Rückkehr an Ihren Arbeitsplatz oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber muss Ihnen eine Position anbieten, die Ihrem Arbeitsvertrag entspricht – mit dem gleichen Gehalt und den gleichen Konditionen.
Frühzeitig Kontakt aufnehmen
Nehmen Sie spätestens 3–6 Monate vor Ende der Elternzeit Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber auf:
- Klären Sie, wann und in welchem Umfang Sie zurückkehren möchten
- Besprechen Sie Teilzeit-Optionen (§ 8 TzBfG gibt Ihnen ein Recht auf Teilzeit in Betrieben ab 15 Mitarbeitern)
- Fragen Sie nach Einarbeitungsprogrammen oder Mentoring
- Informieren Sie sich über Veränderungen im Team und in der Organisation
Neuorientierung und Bewerbung
Wenn Sie sich während oder nach der Elternzeit beruflich neu orientieren möchten, ist eine gezielte Bewerbungsstrategie wichtig.
Den Lebenslauf aktualisieren
- Elternzeit im Lebenslauf: Nennen Sie die Elternzeit sachlich mit Zeitraum. Beispiel: „01/2023–03/2026: Elternzeit“
- Weiterbildungen hervorheben: Haben Sie während der Elternzeit Kurse besucht, Online-Zertifikate erworben oder sich anderweitig weitergebildet? Listen Sie das prominent auf.
- Kompetenz-Profil: Ergänzen Sie am Anfang des Lebenslaufs ein kurzes Profil, das Ihre Kernkompetenzen zusammenfasst.
- Ehrenamt und Engagement: Ehrenamtliches Engagement während der Elternzeit (Elternbeirat, Vereinsarbeit) zeigt Organisationstalent und soziale Kompetenz.
Das Anschreiben
Im Anschreiben erklären Sie Ihren Wiedereinstieg selbstbewusst und positiv:
- Betonen Sie Ihre Motivation für den Wiedereinstieg
- Zeigen Sie, was Sie während der Elternzeit gelernt haben (Selbstmanagement, Multitasking, Belastbarkeit)
- Stellen Sie den Bezug zur Stelle her – warum passt diese Position besonders gut?
- Klären Sie Verfügbarkeit und Arbeitszeit (Vollzeit, Teilzeit, ab wann)
Formulierungsbeispiel: „Nach einer bereichernden Elternzeit freue ich mich darauf, meine 6-jährige Erfahrung im Bereich Online-Marketing wieder beruflich einzusetzen. Während der Elternzeit habe ich mich durch eine Weiterbildung im Bereich SEO und Content-Strategie auf dem aktuellen Stand gehalten.“
Herausforderungen beim Wiedereinstieg
Fachliche Aktualität
Je nach Branche können sich in 1–3 Jahren Elternzeit erhebliche Veränderungen ergeben haben – besonders in IT, Marketing und Technik. Halten Sie sich durch Weiterbildungen, Fachmedien und Branchenevents auf dem Laufenden.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Klären Sie vor der Bewerbung die Betreuungssituation:
- Ist ein Kitaplatz gesichert?
- Gibt es Betreuungsalternativen für Notfälle?
- Unterstützt der Partner oder die Partnerin aktiv?
- Welches Arbeitszeitmodell ist realistisch?
Selbstbewusstsein
Viele Wiedereinsteiger unterschHätzen ihren Wert. Vergessen Sie nicht: Elternzeit ist keine Pause, sondern eine Phase, in der Sie wertvolle Soft Skills entwickelt haben – Organisationstalent, Multitasking, Stressresistenz, Verantwortungsbewusstsein und Empathie.
Arbeitgebersuche: Familienfreundliche Unternehmen
Suchen Sie gezielt nach Arbeitgebern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Achten Sie auf:
- Flexible Arbeitszeiten: Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit
- Home-Office-Möglichkeiten: Regelmäßig oder hybrid
- Teilzeitmodelle: Auch in Führungspositionen (Teilzeitführung)
- Betriebliche Kinderbetreuung: Betriebskita oder Zuschüsse
- Zertifizierungen: „audit berufundfamilie“, „Total E-Quality“
- Bewertungen: Auf kununu und Glassdoor nach Erfahrungen von Eltern suchen
Förderung für den Wiedereinstieg
- Beratungsangebote der Arbeitsagentur: Kostenlose Beratung und Vermittlung, auch für Wiedereinsteiger
- Perspektive Wiedereinstieg: Bundesprogramm mit Beratung und Coaching
- Bildungsgutschein: Für Weiterbildungen zur Auffrischung der Qualifikation
- Eingliederungszuschuss: Arbeitgeber können einen Zuschuss erhalten, wenn sie Wiedereinsteiger einstellen
Tipps für das Vorstellungsgespräch
- Nicht rechtfertigen: Elternzeit ist kein Makel – stehen Sie selbstbewusst dazu.
- Vorbereitung: Informieren Sie sich gründlich über das Unternehmen und aktuelle Branchentrends.
- Kinderbetreuung: Wenn der Arbeitgeber fragt (was er eigentlich nicht darf), können Sie kurz bestätigen, dass die Betreuung geregelt ist.
- Gehaltsverhandlung: Orientieren Sie sich am aktuellen Marktniveau, nicht an Ihrem Gehalt vor der Elternzeit.