Klimarisiko-Analysten bewerten die finanziellen Risiken des Klimawandels für Unternehmen, Investoren und Versicherungen. Sie analysieren physische Risiken (Überschwemmungen, Hitze, Stürme, Dürren) und transitorische Risiken (CO2-Preise, regulatorische Änderungen, Technologiewandel) und übersetzen Klimaszenarien in Geschäftsauswirkungen. Der Beruf ist entstanden, weil der Klimawandel kein abstraktes Umweltproblem mehr ist, sondern ein konkretes Finanzrisiko. Die Ahrtal-Flut 2021 verursachte über 30 Milliarden Euro Schaden. Hitzewellen reduzieren die Arbeitsproduktivität. Steigende CO2-Preise machen fossile Geschäftsmodelle unrentabel. Investoren, Banken und Versicherungen müssen diese Risiken quantifizieren – das ist der Job der Klimarisiko-Analysten. Die Regulierung treibt die Nachfrage: Die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD, jetzt ISSB) verlangt die Offenlegung von Klimarisiken. Die EZB fordert Klimastresstests von Banken. Die EU-Taxonomie definiert 'klimaschädliche' Wirtschaftstätigkeiten. Versicherungen müssen ihre Risikomodelle an den Klimawandel anpassen. Klimarisiko-Analysten arbeiten mit Klimamodellen (RCP/SSP-Szenarien des IPCC), geographischen Daten (Überschwemmungskarten, Hitzeindizes), Finanzmodellen und regulatorischen Frameworks. Es ist ein hochinterdisziplinärer Beruf an der Schnittstelle von Klimawissenschaft und Finanzwesen.
Morgens: Klimaszenario-Analyse für die Kreditportfolio-Bewertung der Bank. Das 2°C-Szenario durchrechnen: Welche Branchen im Portfolio sind bei steigenden CO2-Preisen besonders betroffen? Öl&Gas, Stahl, Zement – Credit Risk Adjustment berechnen. Vormittags: Physische Risikoanalyse – 200 Immobilienstandorte aus dem Kreditportfolio auf Hochwasserrisiko prüfen. GIS-Analyse: Standorte mit Hochwasserkarten überlagern. Ergebnis: 35 Standorte in Risikozone → Expected Loss für verschiedene Überschwemmungsszenarien (10-jährlich, 100-jährlich, 1000-jährlich) berechnen. Nachmittags: EZB-Klimastresstest vorbereiten – die Aufsicht hat neue Szenarien veröffentlicht. Methodik durcharbeiten: Welche Daten brauchen wir? Welche Modelle? Welche Annahmen? Projektplan erstellen, Stakeholder einbinden (Risikomanagement, Controlling, IT). Spätnachmittags: TCFD-Bericht schreiben – Klimarisiken und -chancen des Unternehmens für den Geschäftsbericht aufbereiten. Governance, Strategie, Risikomanagement, Metriken und Ziele – die 4 TCFD-Säulen abarbeiten. Verständlich für Investoren formulieren.
Starkes Wachstum, getrieben durch Regulierung. Banken und Versicherungen (Allianz, Munich Re, Deutsche Bank, KfW) bauen Climate-Risk-Teams auf. Die EZB hat 2022 den ersten Klimastresstest durchgeführt und Defizite bei fast allen Banken festgestellt – die müssen jetzt nachbessern. Beratungen (Oliver Wyman, McKinsey Sustainability, PwC) suchen Analysten. Startups wie Cervest und Jupiter Intelligence bieten Klimarisiko-Daten als Service. Die Gehälter liegen im Finanzbereich (höher als klassische Umweltberufe). Besonders gefragt: Analysten die sowohl Klimawissenschaft als auch Finanzmathematik verstehen.